Individuelle Freiheit setzt nicht nur gleiche Rechte, sondern auch ein Maß an gerechter Verteilung von Chancen voraus. Diese Chancengleichheit fängt bei inklusiver Bildung an – ein sozialliberales Kernthema. Unserer Meinung nach bedarf es dringend trag- und zukunftsfähiger Reformen des deutschen Bildungssystems! Dabei müssen wir kreativ und offen sein für neue Ideen, um allen die bestmöglichen Bildungschancen zu geben und Teilhabe in einer liberalen, globalisierten und weltoffenen Gesellschaft zu ermöglichen.

16 verschiedene Bildungssysteme mit 16 Kultusministerien in 16 Bundesländern verkomplizieren die nötigen Reformprozesse. Alle 16 legen ihre eigenen Bildungsstandards und Kerncurricula fest. Aufgrund der unterschiedlichen Lerninhalte der Bundesländer haben Schüler, die in NRW ihren Schulabschluss erlangt haben, in Bayern Probleme, einen Studien- oder Ausbildungsplatz zu erhalten. Die Neue Liberale fordert daher die Abschaffung des Bildungsföderalismus!

Trotz der unterschiedlichen Bildungskonzepte und -standards scheinen alle Bildungssysteme dennoch etwas gemeinsam zu haben: Sie sind chronisch unterfinanziert, es herrscht flächendeckend Lehrermangel und die Lerninhalte scheinen nur noch bedingt ins 21. Jahrhundert zu passen. Und das zeigt sich an der Qualität. Da wären bspw. die Ergebnisse der aktuellen IGLU-Studie: Jeder fünfte Schüler der vierten Klasse kann nicht ausreichend lesen. Eines ist klar, ohne ein höheres Finanzvolumen im Bildungssektor von mindestens 5% des BIP (Durchschnitt der OECD-Länder) wird dem nicht beizukommen sein.

Kindern aus schwächeren sozialen Verhältnissen gelingt es nur schwer, erfolgreich im deutschen Bildungssystem zu bestehen. Dieses Problem besteht seit Jahren und nimmt weiter zu, doch die Debatte konzentriert sich gegenwärtig parteiübergreifend und bundesweit fast ausschließlich auf die Vor- und Nachteile eines 2- oder 3-gliedrigen Bildungssystems, der flächendeckenden Einführung von Gesamtschulen oder auf die Abschaffung einiger Förderschulen.

Auch dazu haben wir eine Meinung: Wir fordern, die Grundschulzeit bis einschließlich des 6. Schuljahres zu verlängern und plädieren für ein weiterführendes zweigliedriges Schulsystem, bestehend aus Integrierter Sekundarschule und Gymnasium mit dem Abitur nach 13 Schuljahren. Inklusive Beschulungsangebote und Förderschulen gilt es parallel bestehen zu lassen, um die Wahlmöglichkeit zu gewährleisten, die Vorteile beider Schulformen wahrzunehmen.

Den aus der sozialen Herkunft resultierendem Bildungsvorsprung einiger Kinder können Kinder aus schwächeren sozialen Verhältnissen häufig im Grundschulalter nicht mehr aufholen. Daher muss zudem ein viel stärkerer Fokus auf die frühkindliche Bildung gelegt werden! Ein echter Gewinn wären die Abschaffung der Kitagebühren und die kostenlose Bereitstellung der Lernmittel sowie die finanzielle und gesellschaftliche Aufwertung des Erzieherberufs und dessen Akademisierung auf Fachhochschulniveau im Rahmen einer größeren Reform der Lehrer- und Erzieherausbildung.

Auf unserem letzten Bundesparteitag haben wir ausführlich über die Probleme und Lösungen diskutiert. Ein sozialliberales Bildungssystem für die Zukunft setzt Mut zur progressiven Reform und Kreativität voraus, da sind wir uns einig. Welche Inhalte und Kompetenzen es anzustreben gilt und wie diese zu gewichten sind, ist eine Frage. Wie der Weg dorthin realistischer Weise gestaltet werden kann, eine weitere.

Jeder Schülerin und jedem Schüler gerecht zu werden und Lerninhalte zu vermitteln, die sowohl die persönliche, kulturelle und soziale Entfaltung wie auch die nötigen instrumentellen Kompetenzen für das spätere Arbeitsleben berücksichtigen, gilt es umzusetzen. Das Spannungsfeld zwischen diesen Kompetenzen muss immer wieder austariert und evaluiert werden. Die hohe Flexibilität, mit der sich das Bildungssystem der gesellschaftlichen Vielfalt und den Umbrüchen stellen muss, wird eine der zentralen Aufgaben sein.

Sozialliberale Politik beginnt mit der Erkenntnis, dass sich soziale Gerechtigkeit in einer liberalen, weltoffenen und globalisierten Gesellschaft nur über das Streben nach einer möglichst gleichen Verteilung von Chancen und über ein tragfähiges Bildungssystem herstellen lässt. Der Zugang zu Bildung, in Form einer ausgewogenen Vermittlung von kulturellen, instrumentellen, sozialen und personalen Kompetenzen, ist eine der zentralen Gewährleistungen von Chancengleichheit. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, bedarf es nicht nur der Erneuerung der Schulen, sondern ist darüber hinaus ganzheitlich auf die Kindergärten und Universitäten auszuweiten. Jeder Mensch und jedes Kind lernt unterschiedlich, hat individuelle Stärken und Interessen. Diesen muss ein modernes Bildungssystem begegnen und diese fördern.  Wir wünschen uns die Demokratisierung der Bildungsprozesse und -inhalte und ein sinnvolles Gleichgewicht bei der Vermittlung zwischen zweckfreiem und verwertbarem Wissen.

In einem Li-Lab zum Thema Bildung werden wir diese, sowie die auf dem Bundesparteitag vorgeschlagenen Themen und Schwerpunkte, weiter diskutieren und ausarbeiten. Wir arbeiten daran, ein Bildungssystem für alle Kinder und Jugendliche zu entwickeln, das deren Wünsche und Bedürfnisse respektiert und berücksichtigt.

Mehr zu unseren bisher beschlossenen Lösungsvorschlägen erfahrt Ihr in unserem Programmbaustein „Bildung neu definieren“.