Think about. Unser Nach-Denktext zum Wochenende.

von Birgit Velte

„Wir streben einen Politikstil an, der redlich ist, die Argumente der Mitbewerber ernsthaft würdigt und diese nicht diffamiert.“ (Aus dem Liberalen Kompass)

image-1Der Wahlkampf in den USA gab uns den Anlass, einen zentralen Punkt unseres „Liberalen Kompass“ zu reflektieren. Dieser erschreckende Wahlkampf hat einen Trend in der Debattenkultur auf die Spitze getrieben, der auch in Deutschland und eigentlich weltweit zu beobachten ist. In dem Problemwahrnehmung und Fakten bis zur Absurdität entkoppelt scheinen. In dem Emotionen dominieren und kein Tabu mehr zu gelten scheint. Menschen, die sich als die bislang schweigende Masse sehen, brechen gesellschaftliche Kompromisse mit dem rhetorischen Vorschlaghammer auf. Nach „Change“ sehnen sie sich, weg von liberalen Errungenschaften, die Ihnen zu weit gegangen sind.
Wie geht man damit um, wenn ein Teil der Bevölkerung die eigenen Überzeugungen plötzlich für Lügen oder gar Verschwörungen hält – und deren Revolution die „politische Korrektheit“ und viele der Rechte die Minderheiten gerade erst erworben haben wieder abschaffen möchte?
Stillschweigen und den Sturm vorüberziehen lassen? Viele Parteien sind in eine Art Gegenpopulismus übergegangen, in dem sie ebenso viel polemisieren. Und Gesprächsangebote gehen oft nach hinten los. Man wird dann mit Aussagen konfrontiert, die man so nicht stehen lassen kann und steckt ganz schnell wieder in einem ideologischen Schlagabtausch, oder im Kampf um Begrifflichkeiten, anstatt in einer sachlichen Debatte. Je besser die Argumente, desto weiter scheinen sich die Meinungen zu verhärten.
Was heißt das für uns und den politischen Diskurs? Ist das der Tod der Demokratie, in der die Diskussion doch so ein wichtiger Baustein ist? Wir glauben das nicht. Wir glauben, dass wir dem Schlachtenlärm eine moderate Stimme entgegensetzen müssen. Wir dürfen der Versuchung nicht nachgeben, nun selber immer lauter zu werden, und immer schlagfertigere Phrasen zu nutzen. Wir müssen uns gegen die eigene Empörungsrhetorik wehren. Wir müssen unsere eigene Sprache ent-Trumpen!
Damit erreichen wir erstmal nicht die, die am lautesten schreien. Aber wir erreichen etwas viel wichtigeres: Wir geben der neuen schweigenden Mehrheit eine Stimme. Der neuen schweigenden Mehrheit, die still geworden ist, weil sie die Verbalschlachten nicht erträgt und sich von ihren Kämpfern nicht repräsentiert fühlt.
Diese Sachlichkeit, die Liebe zum Diskurs und der gegenseitige Respekt zeichnen uns NEUE LIBERALE aus.