es sei denn, er ist Flüchtling.

Ein Kommentar zum Weltflüchtlingstag von Aleks Lessmann

Streng genommen bin auch ich ein Flüchtling. Sogar ein Wirtschaftsflüchtling. Nach meinem Abitur bin ich von Spanien nach Deutschland ausgewandert, weil ich mir in Deutschland ein besseres Leben erwartete. Und weil das Studium hier kostenlos war. Ein bezahltes Studium in Spanien hätte ich mir nicht leisten können.

Meine Integration war einfacher als die anderer Flüchtlinge. Ich konnte die Sprache und sehe mitteleuropäisch aus. Der Assimilation, die vor allem konservativen Politikern vorschwant, habe ich mich immer verwehrt.

Spulen wir vor, zum Jahr 2015. Jede halbe Stunde muss ein Mensch aus seinem Haus, seiner Heimat flüchten. Seit dem zweiten Weltkrieg gab es nie so viele Flüchtlinge wie jetzt. Ende 2014 waren es laut UNO fast 60 MILLIONEN Menschen. Und ich schäme mich für die Art, wie wir unsergleichen behandeln.

Denn wer zum Flüchtling wird tut es nicht, weil er Spaß dran hat. Wer seine Heimat verläßt, hat meist sehr gute Gründe dafür. Zu diesen Gründen gehört allzu oft die Angst um das eigene Leben oder das Leben der Familie. Meist, weil ein Krieg eben jenes Leben bedroht, oder aber weil die Regierung seiner Heimat ihn mit Waffengewalt bedroht. Als Deutscher schäme ich mich dafür, dass unsere Waffenexporte dazu beitragen. Deutschland ist der drittgrößte Waffenexporteur der Welt, nur überflügelt von Russland und die USA.

Wenn ein Flüchtling die Entscheidung getroffen hat, seine Heimat zu verlassen muss er unglaubliche Strapazen hinnehmen. Er muß Schleuserbanden viel Geld geben, damit sie ihn über Grenzen bringen. Er muß hoffen, dass er die Überfahrt über das Mittelmeer überlebt. Und dass ihn Menschen in Europa retten, wenn er ins Wasser fällt, auch wenn es ihnen per Gesetz verboten ist.
Als Europäer schäme ich mich, dass die einzige Lösung, die die EU gegenüber Flüchtlingen einfällt, Abschottung, Gewalt und Verbote beinhaltet. Gerade wir Europäer sollten es besser wissen, angesichts unserer sehr bewegten und von Flucht in allen möglichen Ländern geprägten Geschichte.

Wenn ein Flüchtling diese Strapazen hinter sich hat, und endlich auf europäischen Boden ist, wird er zum Spielball von Organisationen am rechten Rand des politischen Spektrums, wie zum Beispiel der CSU, die Flüchtlinge ächtet und sie wie Vieh behandelt, die sie nutzt, um Stimmen aus der braunen Kloake zu fischen. Einer Organisation, die das „C“ nicht achtet, das ihren Namen ziert. Einer Organisation, die sich bei jeder Aussage zur Flüchlingspolitik weiter von der Nächstenliebe entfernt und sich dem „Deutschland den Deutschen“ Gesocks anbiedert. Als zugereister Bayer schäme ich mich dafür, dass diese Partei in Bayern und im Bund in Regierungsverantwortung ist.

Es wird Zeit, dass wir uns der Entsolidarisierung der Gesellschaft entgegenstellen, die durch den Marktradikalismus entstanden ist, der die politische und gesellschaftliche Diskussion der letzten 30 Jahren geprägt hat.
Als sozial denkender Mensch stelle ich Solidarität gegenüber den Flüchtlingen höher als jedes andere Gut. Als liberal denkender Mensch stelle ich die Freiheit der Flüchtlinge höher als jeden anderen Gedanken.

Deswegen ist es selbstverständlich, dass wir Neue Liberale zwei deutliche Programmpunkte beschlossen haben, die uns auch in der Flüchtlingspolitik als soziale und liberale Menschen definieren. Als Mitglied dieser Partei bin ich sehr stolz darauf und zuversichtlich, dass unsere Politik weiterhin von diesen Grundsätzen geprägt sein wird. Denn nur sozial ist liberal.